Europa und wir

In loser Reihenfolge berichtet Martin Böhme, Geschäftsführer der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, in dieser neuen Rubrik über Themen aus Europa, die für die Ingenieurinnen und Ingenieure von besonderer Relevanz sind. Der Autor vertritt als Bevollmächtigter für Europaangelegenheiten die Bundesingenieurkammer in Brüssel und ist Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, einer beratenden Institution der Europäischen Union.

3. Folge - 27.10.22: EWSA zur Reform der EU-Bauproduktenverordnung

Die heterogene Situation auf dem Markt für Bauprodukte in der EU trägt zu Unsicherheit bei Planerinnen und Planern, zu Preissteigerungen und zu Engpässen in der Verfügbarkeit bei. Vor diesem Hintergrund hat der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) unter der Leitung von Martin Böhme die Stellungnahme CCMI/197 „Harmonisierte Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten“ erarbeitet. Der EWSA betrachtet das Ziel eines einheitlichen europäischen Binnenmarkts für Bauprodukte als wünschenswert. Es wird jedoch festgestellt, dass die EU-Bauproduktenverordnung fortzuentwickeln ist. Die mit der Verordnung verbundenen Verfahrensabläufe, insbesondere hinsichtlich der Normung und der Definition von Schnittstellen zu nationalen Anwendungsnormen, sind zu verbessern und zu vervollständigen. Der Ausschuss betont, dass sichergestellt sein muss, dass alle Anforderungen/Leistungs-/Prüfmerkmale als harmonisierte Normen (hEN) von der Europäischen Kommission eingeführt sind. Die EWSA-Stellungnahme wird zur Beratung der politischen Akteure nun an EU-Parlament, Rat und Kommission weitergeleitet. Die vollständige Stellungnahme CCMI/197 ist hier abrufbar.  

 

2. Folge - 05.10.22: EWSA zur Stärkung der Freien Berufe

In einer seiner jüngsten Stellungnahmen, hat sich der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) für eine Stärkung der Freien Berufe ausgesprochen, um die EU-Ziele bei der Umsetzung der grünen und digitalen Transformation zu verwirklichen.

Die Stellungnahme INT/979 der Sektion Binnenmarkt trägt den Titel: „KMU, sozialwirtschaftliche Unternehmen, Handwerk und freie Berufe – Fit für 55“. Das Dokument können Sie hier herunterladen.

Der EWSA, als beratende Einrichtung der EU, fordert von den Institutionen unter anderem EU-weite Maßnahmen, um die Mitgliedstaaten zur Förderung berufsständischer Regelungen zu veranlassen. Starke Berufsstandsorganisationen sollen dazu beitragen, die Umsetzung des grünen und digitalen Wandels voranzutreiben. Für den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Bereich fordert der Ausschuss, die jeweils innovativsten Problemlösungen zu bevorzugen und positioniert sich damit klar für einen Qualitäts- und gegen einen reinen Preiswettbewerb.

1. Folge - 19.09.22: Freie Berufe 4.0 – Digitalisierung verändert die Anforderungen an den Ingenieurberuf

Die Ingenieurinnen und Ingenieure haben die Digitalisierung erfunden. Seitdem dringt der technisch-ingenieurwissenschaftliche Wandel immer stärker in alle Lebensbereiche vor. Der technische Fortschritt soll bei der Bekämpfung des Klimawandels helfen, die Übertragung von Aufgaben an künstliche Intelligenz dem Fachkräftemangel entgegenwirken, die regenerative Erzeugung großer Mengen von Energie ist eine Grundvoraussetzung, um das digitale Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft erst möglich zu machen. Ingenieurinnen und Ingenieure sind gefordert, alle diese Herausforderungen zu lösen.

Was hat das mit Europa zu tun? Europa muss die Voraussetzungen schaffen, damit Ingenieurinnen und Ingenieuren ihren Job machen können, also Rahmenbedingungen definieren, in denen sich kreative ingenieurwissenschaftliche Lösungen voll entfalten können.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) hat die Aufgabe die EU-Institutionen zu beraten, also Parlament, Kommission und Rat. Mit seiner Initiativstellungnahme „Freie Berufe 4.0“ greift der EWSA eine Vielzahl von wichtigen Weichenstellungen auf, die auf europäischer Ebene schnell umzusetzen sind, damit Ingenieurinnen und Ingenieure weiter erfolgreich an den großen Herausforderungen unserer Zeit arbeiten können. Um nur einige zu nennen: Modernisierung und Anpassung des Berufsrechts, Harmonisierung gesetzlicher Mindestanforderungen im Baubereich, Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, den Stellenwert unabhängig fachlicher Expertise deutlich stärken.

Böhme - Europa und wir
Kammergeschäftsführer Martin Böhme ist Mitglied des EWSA und vertritt damit in Brüssel die Freien Berufe in Deutschland.