talkING: Besichtigung des Wasserwerks im rheinhessischen Guntersblum

Das historische Gebäude des Pumpwerks, errichtet 1907. Foto: Ritter

Am 12. November lud die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz ihre Mitglieder im Rahmen des Veranstaltungsformats talkING ins rheinhessische Guntersblum zur Besichtigung des Wasserwerkes der wvr ein. Die Anlage versorgt rund 230.000 Menschen sowie zahlreiche kleine, mittlere und große Unternehmen in der Region, zuverlässig, Tag für Tag.

Geschichte des Pumpwerks

Das Wasserpumpwerk von Guntersblum wurde 1907 fertiggestellt, um die Wasserversorgung im Gebiet Rhein-Selz zu sichern.  Durch die aufwendige Jugendstil-Bauweise mit den barocken Anklängen war das Industriegebäude für die damalige Zeit etwas Besonderes. Das Pumpwerksgebäude war durch einen Säulengang mit dem Werkmeisterhaus verbunden. Heute dient das Erdgeschoss des ehemaligen Werkmeisterhauses als Tagungsraum, im Obergeschoss sind die Büroräume für die Beschäftigten untergebracht.

Das heutige Wasserwerk

Das historische Gebäude dient noch heute als Pumpwerk. Aus Kapazitätsgründen und aufgrund der Fördermenge wurde ein großer Gebäudekomplex hinter den historischen Gebäuden errichtet. Dort ist die Aufbereitungsanlage für das aus Uferfiltrat gewonnene Rohwasser untergebracht. Zur Anlage gehören zehn Uferfiltrat-Brunnen, die in fünf Kilometer Entfernung direkt am Rhein liegen und das Wasser aus bis zu 60 Metern Tiefe entnehmen. Das Werk versorgt gemeinsam mit den Standorten Bodenheim, Ingelheim und Oberwiesen (bei Kirchheimbolanden) die Region Rheinhessen und die Nordpfalz mit Trinkwasser. Durch das Pumpwerk am Standort Guntersblum wird das Trinkwasser über ein rund 2.600 km langes Leitungsnetz entweder direkt an den Endverbraucher verteilt oder in extra dafür konstruierten Hochbehältern zwischengespeichert. Im Einzugsgebiet gibt es insgesamt 95 Hochbehälter, die als Zwischenspeicher fungieren und ein Gesamtspeichervolumen von mehr als 80.000 m3 aufweisen. Jeden Tag werden damit mehr als 70 Tausend Haushalte und Gewerbetriebe mit Trinkwasser versorgt.

Von der Wasserentnahme zur Verteilung

Die Aufbereitung des Wassers erfolgt durch mehrere Zwischenschritte, zunächst wird das Rohwasser aus den Brunnen am Rhein entnommen und zum Werk gepumpt. Das besondere an Uferfiltrat: schon vor der Aufbereitung erfolgt durch mehrtägige Passage durch Kiese und Sande im Untergrund eine Vorfiltration die mikrobiologischen und zum Teil chemischen Beeinträchtigungen zurückhält. Im ersten Schritt wird das Rohwasser mit Sauerstoff angereichert, um primär die Elemente Mangan und Eisen herausfiltern zu können. Eine Oxidation mit Ozon wäre am Standort Guntersblum zwar möglich, ist jedoch nicht notwendig, da das gewonnenen Uferfiltrat aktuell keine kritischen Schadstoffe oder mikrobielle Belastungen enthält. Die nächsten Schritte sind die Mehrschichtfiltration, anschließend eine physikalische Entsäuerung und dann die Aktivkohlefiltration. Der letzte Schritt ist die Desinfektion mit Chlordioxid, bevor das Wasser in einem Reinwasserbehälter zur Verteilung an die Haushalte zur Verfügung steht. Siehe im Schaubild 1. Das Spülwasser wird aufbereitet, vom Schlamm getrennt und als Klarwasser zurück in die Aufbereitung gegeben. Das Werk fördert im Mittel ca. 1.700 m³ (entspricht 1,7 Millionen Litern) Wasser pro Stunde, was einer Fördermenge von rund 40,8 Millionen Liter (ca. 16 Olympiabecken) pro Tag entspricht. Für die Förderung und Aufbereitung ist eine Leistung 1,2 bis 2 Megawatt Strom notwendig.

Wasserwerke als kritische Infrastruktur

Wasser gehört zur kritischen Infrastruktur, ebenso wichtig wie Gesundheit und Energie. Für Deutschland heißt das: investieren, schützen, modernisieren. Wir brauchen robuste Anlagen, digitale Sicherheit, saubere Energie vor Ort und klare Abläufe für den Ernstfall.

Netzwerken im Restaurant Weingold

Nach der Führung kehrte die Gruppe aus über 30 Gästen ins Restaurant Weingold in Guntersblum ein. Dort konnten die Mitglieder bei einem leckeren Abendessen und einem Gläschen Wein mit Kollegen persönlich ins Gespräch kommen, sich über relevante Fachthemen und aktuelle Entwicklungen austauschen und sich beruflich vernetzen.

Quelle: Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr)
Fotos: IngK RLP

Kammergeschäftsführer Martin Böhme begrüßt die Gäste. Über 30 Mitglieder folgten der Einladung.
Druckstoßkessel im alten Pumpwerk.
Bei einem Kurzvortrag werden die Keyfacts zum Wasserwerk vorgestellt.
Zwischenpumpen im Keller der Aufbereitung.
Die Aufbereitung des Wassers erfolgt in mehreren Zwischenschritten, hier zu sehen: Aktivkohlefilterung des Wassers.
Die Mitglieder im historischen Säulengang, der das historische Pumpwerk mit der damaligen Werksmeisterhalle (heute als Tagungs- und Bürogebäude genutzt) verbindet.
Die Mitglieder hören interessiert zu und bestaunen die Dimensionen des Wasserwerks.
Schaubild 1: Schema Wasseraufbereitung. Quelle: wvr
Gemütlicher Ausklang des Abends im Restaurant Weingold in Guntersblum.

Zurück