Sprecher des BIM-Clusters Deutschland im Interview: "Mehr als Summe seiner Teile"

Das BIM-Cluster Deutschland ist eine zentrale Plattform für die Vernetzung der selbständigen BIM-Cluster in Deutschland. Die Plattform hat zum Ziel, die Arbeit der einzelnen BIM-Cluster zu vernetzen und zu koordinieren. Gleichzeitig fungiert sie als gemeinsame Dachstruktur, welche die Verbindung zu Politik, Verwaltung und Verbänden auf Bundesebene herstellt und die Kommunikation erleichtert. Die drei Sprecher, Wilhelmina Katzschmann, BIM-Cluster Rheinland-Pfalz und Beratender Consultant bei Katzschmann Consulting; Daniel Mondino, BIM HUB Hamburg und CORE Digital Engineering sowie Stefan Becker, BIM-Cluster Hessen und Adolf Würth wurden seitens des BIM-Magazins interviewt.

„Das Ganze wird am Ende mehr sein, als die Summe seiner Teile“ D. Mondino, W. Katzschmann, S. Becker


BIM-MAGAZIN: Sehr geehrte Wilhelmina Katzschmann, Daniel Mondino und Stefan Becker, wir kennen die regional in den Bundesländern verankerten BIM-Cluster. Welche Bedeutung aber kommt dem BIM-Cluster Deutschland zu?

Das BIM-Cluster Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die Aktivitäten der einzelnen regionalen BIM-Cluster zu unterstützen, deren Aktivitäten und Handelnde untereinander bekannter zu machen und damit die Cluster und deren Arbeit enger zu vernetzen. Darüber hinaus möchten wir das „Schaufenster“ der BIM-Cluster in Deutschland sein und Ansprechpartnerin für die Bundesebene, wenn es um deren Arbeit geht.

BIM-MAGAZIN: Die regionalen BIM-Cluster haben bedeutend dazu beigetragen, dass BIM im Bauwesen besser verstanden wurde und sich auch verbreitet hat. Nach zehn Jahren Austausch, Diskussion und Wissenstransfer zu Building-Information Modeling meinen viele Branchenteilnehmer eine gewisse BIM-Müdigkeit zu beobachten. Gehen den BIM-Clustern langsam die Themen aus?

Die Implementierung einer neuen Methodik, wie es BIM ist, hat, wie jeder Change- oder Innovations-Prozess, unter schiedliche Phasen. Vor 10 Jahren gab es eine gewisse Euphorie mit zum Teil überhöhten Erwartungen und es brauchte vor allem methodische Grundlagenarbeit. Wie uns schon die bekannte Gartner Hype-Cycle-Kurve zeigt (s. Grafik), braucht es aber Geduld und Durchhaltevermögen, um wirkliche Vorteile aus einer neuen Technologie zu ziehen.

Die Sprecher von BIM-Cluster Deutschland: Daniel Mondino, Wilhelmina Katzschmann und Stefan Becker. Foto: BIM-Cluster Deutschland
Hype-Cycle-Kurve nach Gartner. Grafik: Gartner

Weil nicht alles so gut läuft, wie man erwartet, geben viele zu früh auf oder zweifeln zumindest die Mehrwerte an, die das Neue, in unserem Fall BIM, bringen könnte. In der aktuellen Diskussion „im 10. Jahr des Stufenplans“ könnte man leider häufig das berühmte „Tal der Tränen/Enttäuschungen“ vermuten.Doch die „informierten“ Kreise sind größer geworden, die Nutzung in den Projekten ebenfalls, so dass es heute verstärkt darum geht, die Prozesse zu optimieren und mehr Use-Cases umzusetzen – auf dem Weg zu einer vollständigen Implementierung, die wirkliche Vorteile für die ganze Branche bringt. Diese Feststellung ist einer der Gründe für die Existenz des BIM-Clusters Deutschland. Wir möchten dafür sorgen, dass über das erwähnte „Schaufenster“ mögliche Ansprechpartner gefunden werden können. Wir möchten als BIM-Cluster Deutschland keine Parallelstruktur zu anderen Initiativen des digitalen Wandels aufbauen, sondern Vermittlerin sein für diejenigen, die in ihrer Region Ansprechpersonen suchen oder ein Netzwerk zum Thema BIM, dem sie sich anschließen könnten. Als themenbezogene Interessengruppe sind BIM-Cluster in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht so präsent. Das mag daran liegen, dass das Engagement der handelnden Personen vorwiegend ehrenamtlich und aus intrinsischer Motivation erfolgt und nur selten Teil der beruflichen Tätigkeit ist.

BIM-MAGAZIN: Bundesministerin Verena Hubertz sieht die Bedeutung der regional strukturierten BIM-Cluster unter anderem darin, dass sie den „Wissenstransfer zu BIM und die Vernetzung der Beteiligten aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand“ vorantreiben und „wichtiger Partner für die Verbreitung und Weiterentwicklung der Methode BIM“ seien. Hier geht es BIM-Cluster Magazin mit dem Interview mit Frau Hubertz. Wäre es aber nicht sinnvoll, einen Kommunikationskanal aus den Regionen heraus auch zur Bundesebene und den relevanten Institutionen zu organisieren und wie könnte dieser aussehen?

Richtig und auch das ist einer der Grundgedanken für das BIM-Cluster Deutschland: ein Kommunikationskanal ZEIT zwischen der Bundesebene und den Regionen zu sein, bidirektional, gut informiert und immer erreichbar. Wir möchten zentrale Ansprechpartnerin für die Bundesebene sein, die dann in die Regionen weitervermittelt und bei Bedarf geeignete Ansprechpersonen benennen kann.

Wir möchten unsere gute Vernetzung dafür nutzen, das Thema BIM zwischen der strategischen Arbeit auf Bundesebene und der operativen Arbeit in den Regionen zu koordinieren. Dafür würden wir uns wünschen, als Organisation wahrgenommen und über unseren Sprecherkreis in die entsprechenden Kommunikationsaktivitäten der Bundesebene einbezogen zu werden. Noch sind wir da aber nicht angekommen.

Und wir sollten unsere diesbezüglichen Bemühungen auch nicht ablenken lassen, zum Beispiel von der aktuellen Debatte um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Bauwesen. Wir sind auf dem richtigen Weg und sicher wird uns dabei auch KI helfen. Aber kein Weg führt am digitalen Wandel der Bauwirtschaft vorbei, wenn wir die gesellschaftlichen Ziele im Verantwortungsbereich der Wertschöpfungskette Bau, wie zum Beispiel ressourcenschonendes Bauen, Beschleunigung von Prozessen, Vernetzung und Auswertung von Daten und Informationen für eine lebenswerte Umwelt erreichen wollen.

BIM-MAGAZIN: Die Aufstellung der BIM-Cluster in den Bundesländern ist sehr unterschiedlich. In manchen Bundesländern ist es schwierig, Ansprechpartner zu erreichen. Wo sehen Sie die Gründe dafür? Und erfolgt das Engagement in den Clustern ausschließlich ehrenamtlich?

Wie oben schon gesagt, soll das BIM-Cluster Deutschland nicht die Arbeit machen, sondern Wissen koordinieren, Handlungsstränge verknüpfen und damit Bund und Regionen näher zueinander bringen.

BIM-MAGAZIN: Mit buildingSMART Deutschland und BIM Deutschland wirken zwei kraftvolle Plattformen, die das BIM-Wesen differenziert und kompetent bundesländer-übergreifend vorantreiben.

Quelle: BIM-Magazin / BIM Cluster Deutschland

Zurück