Jahresempfang der Wirtschaft 2026: Juncker hält Keynote über die Zukunft von Europa

Am 2. Februar 2026, luden die 15 veranstaltenden Kammern und Institutionen des Mittelstandes, des Handwerks, der freien Berufe und der Landwirtschaft zum Jahresempfang der Wirtschaft in die Rheingoldhalle nach Mainz ein. Ehrengast des Abends war der ehemalige Präsident der europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker.

Dr. Marcus Walden, Präsident der IHK für Rheinhessen, begrüßte die Gäste und sprach das Thema Bürokratieabbau als zentrales Thema der Wirtschaft an, dessen Abbau viel langsamer vorangehe, als es wünschenswert sei. "Wirtschaftspolitische Entscheidungen müssen in der Wirtschaft spürbar ankommen", so Walden. 2026 sei ein Jahr der Bewährungsprobe. Die Bundesregierung investiere Milliarden in Digitalisierung, Klimaschutz und Infrastruktur, daher müssen diese Investitionen in Form von konkreten Maßnahmen bei den Wirtschaftsunternehmen ankommen.

Alexander Schweitzer, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen und Dr.-Ing. Horst Lenz, Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz sowie Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz kamen im Anschluss bei der Talkrunde zusammen.

Dr.-Ing. Horst Lenz betonte, dass Ingenieurinnen und Ingenieure dafür sorgen, dass Brücken, Schulen und Wohnungen sicher, bezahlbar und dauerhaft funktionieren. Daher sind schnellere Verfahren und klare Qualitätsregeln wichtig. Durch einfachere Verfahren könne auch schneller gebaut werden. Vergaben müssen so gestaltet sein, dass der Mittelstand vor Ort erhalten bleibe. Land und Kommunen sollten Genehmigungen konsequent auf Vollständigkeit und klare Fristen umstellen und den qualifizierten Planern mehr Vertrauen geben, weil sie nachweislich Verantwortung tragen und haften. Genehmigungen scheitern heute oft an unnötigen Bearbeitungsschleifen und Nachforderungen, so Lenz. Wer plant, besonders in sicherheitsrelevanten Bereichen, müsse dafür nachweislich qualifiziert sein, weil Fehler Menschenleben und Milliarden kosten können. Es sei absurd, dass es für manche komplexen Gutachten faktisch kaum Zugangshürden gäbe, obwohl es um Sicherheit geht. Beim Bauen werde aber das Gegenteil benötigt: „klare Qualifikation, klare Zuständigkeit, klare Haftung. Ohne Qualifikation keine Unterschrift. Einheitliche, nachvollziehbare Qualitätsstandards für planende Tätigkeiten sind deshalb so wichtig, damit Bürger, Kommunen und Unternehmen wissen: Wer unterschreibt, kann es auch und steht dafür ein.“

Alexander Schweitzer ließ wissen, dass ihn die Stimmung in der Bevölkerung umtreibe, die aus viele Gründen leider nicht so positiv sei. Als zentrales Thema sehe er nach wie vor den Bürokratieabbau. Daher sei die Abschaffung von Verordnungen elementar sowie die Investition in Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur.

Die Gesundheit der Menschen stehe im Fokus, so Sabine Maur, wenn es um wirtschaftliche Themen gehe, denn viele Menschen haben finanzielle Sorgen. Die Weltlage, die von Instabilität, Kriegen und Unsicherheiten geprägt sei, beunruhige viele Menchen. Deutschland sei Schlusslicht in Europa bezüglich Prävention. Das Gesundheitswesen in Deutschland sei so teuer, da gewartet wird, bis die Menschen krank sind und teure Behandlungen nötig seien, anstatt gezielt in gesundheitsfördernde präventive Maßnahmen zu investieren.

Hans-Jörg Friese sagte, dass das Handwerk vor allem die Nachwuchsgewinnung im Bau vorantreiben müsse, da Berufsbilder, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen sehr im Kommen seien. Weitere Kernthemen, die in Angriff genommen werden müssen, seien die hohen Sozialversicherungsbeiträge und Energiepreise sowie die hohe Steuerbelastung.

Die Keynote hielt in diesem Jahr Jean-Claude Juncker, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission: „Gemeinsam die Zukunft Europas gestalten – Innovation, Wirtschaft und Zusammenarbeit“. Juncker betonte, dass Europa gegenüber den Weltmächten souverän auftreten müsse. Dazu gehören unter anderem Investition in den eigenen Verteidigungshaushalt und das Forcieren von Freihandelsabkommen in der Welt. Europa brauche „Aufbruch, Mut und Freude an sich selbst“ – in dem Sinne, dass Europa nicht nur Kritik an sich selbst übe, sondern auch die eigenen Erfolge honoriere. Über Erfolge zu sprechen, wirke sich positiv auf die Stimmung im Land aus.

Moderiert wurde der Jahresempfang von Tanja Samrotzki. Im Anschluss konnten sich die Gäste aus Politik und Wirtschaft in geselliger Runde bei einem Gläschen Wein austauschen und vernetzen.

Referentin PR & Marketing,
Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz

Die Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Institutionen und Kammern beim Vorempfang des Jahresempfanges.
Jean-Claude Juncker sprach in seiner Keynote über die Zukunft von Europa.
Lenz fordert in der Talkrunde ein einfaches und faires Vergaberecht, das mittelständischen Ingenieurbüros die Teilnahme an Ausschreibungen erleichtert und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und der regionalen Wirtschaft beiträgt.
Ehrengast des Abends, Jean-Claude Juncker, ehem. Präsident der Europ. Kommission (2.v.l.) mit Kammergeschäftsführer Martin Böhme (2.v.r.), Kammerpräsident Dr.-Ing. Horst Lenz (rechts) und Walter Sesterhenn, Präsident der Steuerberaterkammer RLP (links).
V.l.n.r.: Jutta Schmidt vom MWVW Rheinland-Pfalz, Sebastian Stujke, stellv. Kammergeschäftsführer und Justiziar mit Begleitung und Kammervizepräsident Dipl.-Ing. (FH) Frank Haupenthal.
Tanja Samrotzki führte als Moderatorin durch den Abend.

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