Jahresempfang der Wirtschaft und der Freien Berufe

Im Dialog (v. li.): Kammervorstand Ernst Storzum; Präsident der Ingenieurkammer des Saarlandes, Dr. Frank Rogmann; Kammervizepräsidentin Wilhelmina Katzschmann; Geschäftsführerin der Ingenieurkammer des Saarlandes, Anke Fellinger-Hoffmann und Kammergeschäftsführer Martin Böhme.

Beim Vorempfang begrüßen Kammergeschäftsführer Martin Böhme (li.) und Kammervizepräsidentin Wilhelmina Katzschmann (re.) den Gastredner Prof. Dr. Norbert Lammert (mitte).

Vizepräsidentin Wilhelmina Katzschmann erläutert in der Talkrunde die Probleme in der Infrastruktur in Rheinland-Pfalz.

Gruppenfoto der Präsidenten und Geschäftsführer mit Norbert Lammert.

Am 7. Februar 2018 fand der traditionelle Jahresempfang der Wirtschaft und der Freien Berufe mit dem Gastredner Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., statt. Rund 3500 Gäste folgten der Einladung der 14 gastgebenden Kammern aus Rheinland-Pfalz in die Rheingoldhalle nach Mainz.

In der Talkrunde mit Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer, Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer und des Landesverbands der Freien Berufe sowie Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer wurden die Missstände in Sachen Bildung, Infrastruktur sowie Bürokratie und Verwaltung in Rheinland-Pfalz diskutiert. Dabei wies Vizepräsidentin Katzschmann ganz deutlich auf die Unzulänglichkeiten in der Ingenieurausbildung hin. Denn in Rheinland-Pfalz ist es tatsächlich möglich, in einem 4-semestrigen Masterstudiengang ohne grundständiges Studium einen Master of Engineering zu erwerben. Dies sei sowohl für den Verbraucher als auch für die gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieure mit grundständigem Studium nicht haltbar. Die Absolventen eines derart verkürzten Studiengangs würden dadurch nicht profitieren, da Grundlagen fehlten, die in der Praxis dringend notwendig sind. Beim Thema Infrastruktur forderte die Kammervizepräsidentin einen deutlichen Bürokratieabbau. Das privilegierte Bauen für infrastrukturelle Maßnahmen sei möglich, um jahrelange Planungen deutlich zu verkürzen und Investitionen schneller umzusetzen.

Im Anschluss an die Talkrunde erklärte der Gastredner Prof. Norbert Lammert in gut dreißig Minuten brillant die Geschehnisse in Deutschland und der Welt. Der Bundestagspräsident a. D. brachte aktuelle politische Prozesse auf den Punkt und würdigte wichtige geschichtsträchtige Ereignisse, die im Jahr 2018 ihr Jubiläum feiern.

Aus dem Stegreif erläuterte Lammert die Zusammenhänge der Güter- und Finanzmärkte und ihre Verschiebung in den letzten Jahrzehnten. Ursache für völlig neue Marktbedingungen seien die Digitalisierung und Globalisierung, deren sich niemand entziehen könne. Kein Staat in Europa sei mehr souverän in der Lage, großen Einfluss auf die globale Politik und Wirtschaft zu nehmen. Sein abschließendes Fazit ist daher ein Appell an Europa, geeint das Weltgeschehen erfolgreich zu beeinflussen.

Die Unterzeichnung der römischen Verträge und die damit einhergehende Gründung der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1958 sei für Lammert die wichtigste Innovation im 20. Jahrhundert. Noch nie hätten Menschen so sicher gelebt wie heute, da Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedsstaaten der EU nicht mehr mit Gewalt und militärischem Einsatz ausgetragen würden.

Doch ohne neue Dynamik in Deutschland gäbe es auch keinen neuen Aufbruch in Europa führte Lammert zur aktuellen Politik zurück. Das Motto der neuen Koalition laute nämlich „Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land“. Somit werde der 19. Jahresempfang der Wirtschaft am 7.02.2018 auch als Tag des Endes der Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung in die Geschichte eingehen.

 weiter zur Fotogalerie

Fotos: Kristina Schäfer